B.K.S Iyengar kann mit Fug und Recht als der bedeutendste Yogalehrer unserer Zeit angesehen werden. Mit seinem literarischen Meisterwerk Licht auf Yoga, welches erstmals 1966 erschien und bis heute als "Bibel des Yoga" gilt, prägte und inspirierte er ganze Generationen von Yogaübenden überall auf der Welt. Zu seinen bekanntesten Schülern zählen der Violinvirtuose Yehudi Menuhin und der einflussreiche indische Philosoph Jiddu Krishnamurti. Für sein Lebenswerk erhielt Iyengar zahlreiche Auszeichnungen. Im Jahr 2004 wurde er etwa von dem amerikanischen Time Magazine zu einer der 100 einflussreichsten Persönlichkeiten weltweit gekürt. In Indien erhielt er mit dem Padma Bhushan und dem Padma Vibhushan zwei der höchsten zivilen Verdienstorden. Dieser Erfolg ist nicht zuletzt darauf zurückzuführen, dass er durch seine lebenslange, intensive und unermüdliche Übungspraxis, durch seine unvergleichliche Fähigkeit zur Introspektion sowie durch seine Kreativität und seinen Perfektionismus völlig ungeahnte Dimensionen des Yoga offenlegte.

Das Durchdringen des Geistes ist unser Ziel. Um die Dinge in Bewegung zu setzen, gibt es zu Beginn aber keinen Ersatz für Schweiß (B.K.S. Iyengar). 

Durch die Entwicklung und den Einsatz spezifischer Hilfsmittel (props) gelang es Iyengar, Wege und Mittel zu finden, um Yoga auch Anfängern, Älteren und Menschen mit körperlichen oder gesundheitlichen Einschränkungen so zugänglich zu machen, dass diese von Beginn an die positiven Wirkungen der Praxis erfahren können. Gleichzeitig setzte er hinsichtlich der Präzision und Anmut der Yogahaltungen zuvor nie dagewesene Maßstäbe, die fortgeschrittenen Schülerinnen und Schülern nach wie vor als Quelle der Inspiration dienen. In seinen "Medical Classes" an seinem Institut im indischen Pune etablierte er Yoga weiterhin als eine wirksame Form der Komplementärmedizin zur Behandlung verschiedenster Krankheiten, deren Wirksamkeit durch immer mehr Studien belegt wird. Für B.K.S. Iyengar war Yoga aber nicht nur eine Übungsmethode zur Erlangung von Gesundheit und Entspannung, sondern auch eine transformierende Meditation in Bewegung. Mit anderen Worten: eine tiefgreifend religiöse Praxis zur Erlangung innerer Freiheit, Erkenntnis und Glückseligkeit. Der vervollkommnete Yogi oder Sadhaka, der er stets zu sein anstrebte, gleicht in seinen Augen einem Heiligen. So schrieb er einst etwa:

"Glücklich ist der Mensch, der durch sein Unterscheidungsvermögen und sein Wissen das Wirkliche vom Unwirklichen, das Ewige vom Vergänglichen, das Gute vom Angenehmen zu unterscheiden weiß. Zweimal gesegnet, wer wahre Liebe kennt und alle Geschöpfe Gottes zu lieben vermag. Dreimal gesegnet, wer selbstlos für das Wohlergehen der anderen mit Liebe im Herzen sorgt. Wer aber in seiner sterblichen Hülle Wissen, Liebe und selbstlosen Dienst miteinander verbindet, ist heilig. [...] In Gegenwart solcher Menschen wird man ruhig und rein." (aus B.K.S. Iyengars Licht auf Yoga)