Daniel Weidenbusch

 

Natürlich ist so eine Geschichte ein Klischee, aber so ist es nun einmal gewesen: Als ich im Alter von 21 Jahren während einer längeren Indienreise begonnen habe, Yoga zu praktizieren, hat dies mein Leben von Grund auf verändert. Als Kind und Jugendlicher war ich nicht nur relativ unsportlich und litt häufig unter unspezifischen Beschwerden wie Knie-, Rücken-, Nacken- und Schulterschmerzen. Darüber hinaus hatte ich kaum einen Bezug zu meinem eigenen emotionalen Innenleben. Statt einfach "ich zu sein" versuchte ich, idealisierten und rasch wechselnden Rollenbildern von mir selbst gerecht zu werden und diese nach außen hin durch Kleidung, Frisur, Auftreten usw. auch darzustellen. Das war nicht nicht nur anstrengend, sondern hinderte mich auch daran, mit irgendjemanden wirklich in Beziehung zu gehen. Wie soll man sich jemanden anvertrauen oder jemanden wirklich zuhören können, wenn es noch nicht mal gelingt, ehrlich zu sich selbst zu sein? Kompensiert habe ich diese Situation zunächst durch viel Fernsehen und Computerspielen, dann durch sinnlose Saufgelage und später durch regelmäßiges Kiffen.

Nach einer meiner ersten Yoga-Stunden lag ich etwa eine Dreiviertelstunde auf dem Fußboden und habe geheult wie ein Schlosshund. Unmittelbar danach habe ich mich so frei gefühlt wie noch nie zuvor in meinem Leben. Von diesem Augenblick an war mir klar, dass ich selbst auch einmal Yogalehrer werden wollte. Was mir allerdings zunächst überhaupt nicht klar war, wie weit der Weg bis dahin sein würde und wieviel es in diesem Bereich noch zu lernen gibt. Ich habe mich praktisch erleuchtet gefühlt und dachte, nun wüsste ich schon mehr oder weniger alles über Yoga. Irrtum! In Bezug auf die konkrete Ausführung von Yogahaltungen, Atem- und Meditationstechniken war ich (natürlich!) noch ein absoluter Banause. Vor allem aber musste ich in den folgenden Monaten und Jahren erkennen, dass ich (natürlich!) noch immer in zahlreichen neurotischen Verhaltensmustern und Vorstellungen festhänge. Dennoch habe ich bereits durch meine ersten Erfahrungen mit Yoga gelernt, dass es tief in meinem Innern so etwas wie einen Ort gibt, an dem alles ganz klar, ruhig und friedlich ist. Und dass es gelingen kann, mit dem Bewusstsein in diesen Ort einzukehren, um dem Leben "da draußen" nach der Rückehr mit neuer Kraft und Zuversicht entgegenzutreten.

Bereits durch meine ersten Erfahrungen mit Yoga habe ich gelernt, dass es tief in meinem Innern so etwas wie einen Ort gibt, an dem alles ganz klar, ruhig und friedlich ist. Und dass es gelingen kann, mit dem Bewusstsein in diesen Ort einzukehren, um dem Leben "da draußen" nach der Rückehr mit neuer Kraft und Zuversicht entgegenzutreten.

Yoga hat mir geholfen, mehr zu mir selbst zu finden, meine Gesundheit zu verbessern und ein höheres Maß sowohl an Gleichmut als auch an Disziplin zu entwickeln. So hat meine Begeisterung für die Übungspraxis auch meinen weiteren Lebensweg geprägt. Im Rahmen eines kulturwissenschaftlichen Studiums habe ich mich intensiv mit der Kultur und Geschichte Indiens und insbesondere mit der Entwicklung des Yoga auseinandergesetzt. Anschließend habe ich meine Yogalehrer-Ausbildung bei Michael Forbes am Iyengar Yoga Institut in München absolviert, wo mir im Hinblick auf die Ausrichtung und Präzision bei der Ausführung der Yogahaltungen noch ein weiteres Mal völlig neu die Augen geöffnet wurden. Im Jahr 2012 zog ich zusammen mit meiner Frau nach Freiburg, wo ich seitdem fortlaufend Yoga-Kurse nach der Iyengar-Methode anbiete. In meinem Unterricht bemühe ich mich, die Kunst des Yoga auf möglichst lebendige und authentische Art und Weise zu vermitteln. Meine eigene Übungspraxis sowie das fortwährende Studium von Yoga-Philosophie und menschlicher Anatomie inspirieren mich dabei stets auf´s Neue. Die Möglichkeit, mein Wissen und meine Erfahrungen weiterzugeben sowie das Zusammenleben mit meiner Frau und unseren beiden Kindern sind es, die mein Leben mit Freude und Sinn erfüllen.